Peer-Beratung in der stationären Jugendhilfe
Psychische Belastungen und Erkrankungen bei Jugendlichen nehmen seit Jahren deutlich zu. Gleichzeitig fehlen häufig niedrigschwellige Unterstützungsangebote, die junge Menschen in ihrer Lebenswelt erreichen. Das Praxistransferprojekt setzt genau hier an und überträgt das international bewährte Konzept der Peer-Beratung in die stationäre Jugendhilfe. Junge Menschen mit eigener Erfahrung psychischer Erkrankung werden qualifiziert, um andere Jugendliche mit ähnlichen Erfahrungen zu unterstützen. Ihre persönliche Erfahrung wird dabei als wertvolle Ressource genutzt: Peer-Berater und -Beraterinnen begegnen anderen Betroffenen auf Augenhöhe, stärken Selbstwirksamkeit und fördern Teilhabe.
Das Projekt verbindet wissenschaftliche Expertise mit der Praxis sozialer Einrichtungen. Sozialpädagogische Fachkräfte aus Jugendhilfeeinrichtungen werden als Mentorinnen und Mentoren qualifiziert und begleiten die aktiven Peer-Beratungspersonen fachlich und persönlich. Parallel dazu werden junge Menschen in Workshops auf ihre Rolle vorbereitet, unter anderem zu Gesprächsführung, Selbstfürsorge und Grundlagen psychischer Gesundheit. In den beteiligten Einrichtungen wird Peer-Beratung als niedrigschwelliges Unterstützungsangebot in Wohngruppen etabliert. Regelmäßige Austausch- und Reflexionsformate sichern die Qualität der Beratung und fördern die Weiterentwicklung des Ansatzes.
Das Projekt wird wissenschaftlich begleitet und evaluiert, um Erkenntnisse für die Weiterentwicklung und Übertragbarkeit des Modells auf weitere Jugendhilfeeinrichtungen zu gewinnen. Konzipiert und verantwortet wird das Praxistransferprojekt im Studiengang Soziale Arbeit der Dualen Hochschule Sachsen am Standort Breitenbrunn in Kooperation mit verschiedenen Jugendhilfeträgern in Sachsen.
Der Förderzeitraum läuft vom 01.01.2026 bis 31.12.2027. Das Projekt wird durch die Sächsische Aufbaubank im Rahmen der ESF-Plus-Förderlinie für Modellvorhaben und soziale Innovation gefördert.