Am 2. April 2026 haben Studierende des Studiengangs Soziale Arbeit (Matrikel 2024) der Dualen Hochschule Sachsen, Studienakademie Breitenbrunn, im Rahmen des Moduls „Philosophische Grundlagen“ unter der Leitung von Prof. Seitz eine Exkursion zur Gedenkstätte Hoheneck in Stollberg unternommen.
Die Gedenkstätte Hoheneck befindet sich in einem ehemaligen Frauengefängnis der DDR, das über Jahrzehnte hinweg ein zentraler Ort politischer Repression war. Insbesondere Frauen, die aus unterschiedlichen Gründen in Konflikt mit dem staatlichen System geraten waren, wurden hier inhaftiert. Der Ort steht damit exemplarisch für Freiheitsentzug, systematische Entwürdigung und die konkrete Ausübung staatlicher Macht unter Bedingungen fehlender rechtsstaatlicher Kontrolle. Als Erinnerungsort ermöglicht Hoheneck eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Frage, wie staatliches Handeln in Lebensverhältnisse eingreift – und wo die Grenzen legitimer Machtausübung überschritten werden.
Die Exkursion war integraler Bestandteil der Lehrveranstaltung und bewusst in eine vorbereitende sowie eine nachbereitende Phase eingebettet. Im Vorfeld setzten sich die Studierenden im Rahmen der Vorlesung mit zentralen philosophischen Begriffen und Problemstellungen auseinander, insbesondere mit Fragen nach Freiheit, Menschenwürde, Gerechtigkeit und Verantwortung. Ergänzend wurden historische Kontexte zur SED-Diktatur sowie Erfahrungsberichte ehemaliger Insassinnen erarbeitet, um eine inhaltlich fundierte Annäherung an den Lernort zu ermöglichen.
Vor Ort wurde die Auseinandersetzung durch eine fachkundige Begleitung vertieft, die die historischen, politischen und biografischen Dimensionen des Ortes erschlossen hat. Die unmittelbare Konfrontation mit den räumlichen Bedingungen, den biografischen Zeugnissen und den institutionellen Strukturen des ehemaligen Gefängnisses ermöglichte es den Studierenden, die zuvor erarbeiteten theoretischen Perspektiven in einen konkreten Erfahrungszusammenhang zu überführen.
Die Durchführung der Exkursion wurde durch den Regionalverkehr Erzgebirge unterstützt, der den Transfer nach Stollberg und zurück gewährleistete. Darüber hinaus konnte das Vorhaben dank externer Fördermittel im Rahmen der Förderrichtlinie „Weltoffenes Sachsen“ realisiert werden, für die wir uns ausdrücklich bedanken.
Die Exkursion zeigt exemplarisch, wie akademische Lehre durch die Einbindung außerschulischer Lernorte an Tiefe gewinnt. Gerade für die Soziale Arbeit ist die Auseinandersetzung mit historischen Erfahrungen von Unrecht und Entwürdigung von besonderer Bedeutung, da sie den Blick für gegenwärtige Herausforderungen im professionellen Handeln schärft und die Sensibilität für Fragen von Macht, Verantwortung und Menschenwürde nachhaltig stärkt.